In Sarajevo, wie in
der ganzen Republik Bosnien und Herzegowina,lebten die Serben ganz normal, auch ihr Anführer Dr. Radovan Karadzić, ein montenegrinischer
untalentierter Dichter der davon träumte alle Muslime in Bosnien-Herzegowina zu vernichten. Und tatsächlich, nach dem Mythos-Muster von Amselfeld, wo die Serben 28.06.1389 im Kampf gegen die Türken eine
schwere Niederlage erlebt hatten, versuchte er seine mörderische
Vision zu verwirklichen.Die durch Quellen belegte historische
Wahrheit ist, dass der Bosnische König Tvrtko I. unter der
Führung von Fürst Vlatko Vuković seine Elitesoldaten ausschickte, um den
Serben im Kampf gegen die
Türken zu helfen. Die Serben haben das vergessen
und lieber die volkspoetische "Wahrheit"
von Guslasängern angenommen. Nach diesem Guslagesang jeder Bosnier der im
'serbischen' Bosnien lebt ein 'Türke' sei
und deswegen die Serben haben sich verschworen und verpflichtet die Rache gegen 'Türken' auszuüben. Den "Türken" gehören auch die
Albaner an, die - wie ein Teil von Bosnier - von den Illyren abstammen, die Urbewohner des Balkans. Aber, darüber wird in südslawischen ( als panslawischen! ) Büchern kein Wort verloren! Auf dem Balkan
'beginnt die Kultur'(Geschichte, Sprache, Religion, u.s.w.) 'mit den
slawischen Völker'.
Am Anfang gehörten
'diesem Volk' nur Serben und Kroaten an. Seit der
Gründung des Königsreiches Serben, Kroaten und Slowenen im Jahr 1918
tauchte in der südslawischen Geschichte noch ein Volk – die
Slowenen ( in der Nähe der Alpen) auf. Montenegriner
und Mazedonier tauchten als Völker erst seit 1945 auf. Seit 1974 gibt es in der Verfassung von SFRJ auch ein 'neues' Volk – die
Muslime ( historische Bosniaken ) und Albaner die ihre Autonomie am
Amselfeld (Kosovo) bekamen.
Als
Milosević am 28.06. 1987 am Amselfeld etwa eine Million Serben
um sich sammelte um 'den Sieg' gegen die Türken zu
feiern, drohte er denjenigen die nicht unter serbischen Stiefel weiter in Jugoslawien leben wollten.Ganz im Stil der Guslagesänge und des Mythos von
Kosovo.So ist und so sieht serbisches Heldentum aus. Die
permanente Rache.
Und jetzt zur serbischen Poesie. In
mehreren Kriegen die Serben verursacht und durchgeführt hatten,
besonders im I. Weltkrieg, als etwa 1 Million Serben Opfer
des Krieges wurden, hatten auch die Dichter ein Los zu tragen.
Das Amselfeld-Epos, die Krige und ihre
Erfolge wurden zum Leitfaden der
Serbischen Poesie. Die besten serbischen Lyriker des
20. Jahrhunderte lebten im Exil, oder machten Schule in Europa,
meistens in Frankreich. Dort lernten sie französische, englische,
deutsche und österreichische Kunst- und Literaturbewegungen kennen: Romantik,
Modernismus, Symbolismus, Expressionismus, Surrealismus und Neomodernismus. Die serbischen
Surrealisten Milan Dedinac, Aleksander Vučo, Oskar Davičo ( ein Jude
und Antifaschist!), Dusan Matić, die fast parallel mit französischen
Surrealisten ihr Manifest veröffentlicht hatten, sind auch heute als hochrangige serbische Poeten anerkannt. Das waren
hochbegabte, mutige Intellektuelle, besonders Dedinac, Matić und
Davičo, die wollten dass in Serbien unkonventionelle und moderne Ideen ihren Platz in
Literatur und Kunst finden und dass es eine Stimme gibt die auf
ungewöhnliche Weise gegen mythische und kleinbürgerliche Wahrheit protestiert. Das war die
erste und die letzte Revolution in der serbischen Dichtung.
Leider wurden fast alle dieser Dichters von der serbischen nationalistischen
Literaturkritik verlacht. Besonders der Jude und Titos Partisan Oskar
Davičo, der aus Protest nach Sarajevo übersiedelte, wo er die
Zeitschrift "Dalje" ( "Weiter") gegründet hatte. Hier veröffentlichte
er viele gegentraditionalistische und gegennationalistische Texte! Die Antwort
aus serbisch- und bosnischnationalistischen Literaturkreisen war ungewöhnlich
hart und gnadenlos. Einige serbische
Dichters griffen den alten Barden
Davičo auch physisch an. Alles was in dieser
antinationalistischen Richtung veröffentlicht wurde,in Belgrad und
Zagreb, besonders in Sarajevo, wurde beschimpft von heute 'großen' Dichtern und
'Kosmopoliten'. Fast alle sind die Söhne von Tschetniks oder Stalinisten. Nach
Oskar Davičo und Marko Ristić, der Opfer von Nationalisten – folgte Danilo Kiš, auch
ein großer Dichter und Romancier. Er verteidigte sich besser als Oskar
Davičo und starb jung an Krebs. Auch
Davičo starb 1989 in Belgrad. An der Macht war Slobodan Milosević.
Davičos Name war unoffiziell verboten.Bei der Beerdigung in Belgrad waren nur zehn mutige Intellektuelle aus ganzen Ex-Jugoslawien. Dichter Zagoričnik aus Slowenien, Ostoja Kisić, bosnischer Serbe und Kritiker der Miloševićs Diktatur,
Vujica Rešin Tucić, Dichter aus Novi Sad, Ante Fiamengo, Dichter und
Kritiker aus Zagreb, Goran Babić, Dichter und Redakteur aus Zagreb und andere. Mit Oskar
Davičos Tod war eine mutwillige Epoche der
jugoslawischen Kunst abgeschlossen. Nur fünf bis neun serbischen
Schriftstellers
hatten nach
Ausbruchs des Krieges den Mut, den Machthaber Milosević und die JNA
(Jugoslawische Volksarmee) zu kritisieren: Milan
Bogadanović, Ostoja Kisić, Vujica Rešin Tucić, Mirko
Kovač... Zu wenige! Auf
verschiedene Weise haben fast alle in der nazionalistischen
'Kriegsrevolution' teilgenommen. Diese 'Kriegsrevolution' haben
die Serben 'Befreiung des serbischen Volkes' gennant! 'Befreiung!'- Von wem
eigentlich? Ja, es waren auch
diejenige die geschwiegen haben! Zu wenig für
einen 'hohen ethischen' Imperativ, wie Peter Handke es sieht!
Die Anthologie der serbischen Poesie des
20. Jahrhunderts ist gut gemacht, ästethisch beobachtet. In der Anthologie scheinen Gedichte von
88 Dichtern auf; 16 davon sind jedoch aus Bosnien-Herzegowina.
Die Frage ist nur ob Skender Kulenović, der wie Oskar
Davičo Tito-Partisan war, zu dieser Auswahl gehört? Er ist einer der besten bosnisch-bosniakischen Dichter und Romanciers. Seine Frau,
Schauspielerin, ist eine Serbin und er lebte mit Familie in Belgrad. Seine
letzte Lebensjahre verbrachte er in Mostar in Bosnien-Herzegowina. Er starb nach dem er ein Telegram aus Belgrad erhielt, in dem geschrieben stand, dass er für seinen Roman 'Ponornica' einen Preis bekäme. Als er am Morgen danach nach Belgrad kam und die Tageszeitung kaufte, las er, dass ein serbische
nationalist den Preis erhalten hatte.Der alte Dichter und
Partizan starb an der Stelle an Herzinfarkt.
Auf diese Weise
versuchten die Nationalisten seit 1848 die bosnische
Literatur zu zerstören. Das ist ein politisches Rezept für die Zersplitterung von Bosnien-Herzegowina. Manfred Jähnichen konnte das nicht wissen, aber er ist gut informiert und ein guter Kenner der südslawischen Literaturen und Sprachen. Diese politisch-literarische Lücke hätte er umgehen können.
In der 'serbischen Diaspora' hat Manfred Jähnichen vier Dichter gefunden:
Stevan Tontić, Dragoslav Dedović, Savo Vučić und Snežana
Minić. Danica Rudović-Nain lebt in Berlin und hat einen Gedichteband veröffentlicht. Ein paar von ihren Gedichten kann man als anthologische betrachten. Die serbische Diaspora ist auch in Amerika, Frankreich, Italien usw. vertretten, so wie die kroatische und
bosnische Diaspora. In dieser Anthologie sollten außerdem unbedingt zwei
Dichter, die in Frankreich leben, präsent sein: Kolja Mićević und
Branko Aleksić. Auch drei Dichter aus Serbien fehlen: Vojica Rešin
Tucić (einer der besten Postmodernisten in Serbien),
Jovica Aćin und Milan Nenadić. Schade um diese sehr
informative und gut strukturierte Anthologie.
Manfred Jöhnichen: Eine Anthologie der serbischen Poesie des
20.Jahrhunderts, Gollenstein, Blieskastel, 2004.
Es ist eine schwierige
Frage: Darf ich als Bosnier
überhaupt über die serbisch-montenegrinische Poesie des 20. Jahrhunderts schreiben? Ist das moralisch während der
wegen Völkermord und Vertreibung von Kroaten und Bosniaken
angeklagte serbische Anführer ( noch immer ohne Brüder Karadzić und
Mladić)in Hag sitzt? Die Folgen der Milosević's Regierung
von 1992 bis 1995 sind: 200.000 getöteten Bosniaken und Kroaten,
die meisten waren unbewaffnete Zivilisten. Über
7.000 Bosniaken aus Srebrenica, die ihre
Waffen niedergelegt hatten,
wurden "nach hohem ethischen
Imperativ" in wenigen Nächten geschlachtet.
Sie glaubten, die serbische Anführer wüssten, dass Srebrenica UNO-Schutzzone sei und dass die Konventionen aus Genf über die gefangene Soldaten noch immer unberührt geblieben sind. Umsonst. Die Rache gegen 'Türken' geht
seit 1804 immer weiter.
Sie bezeichnen Bosnier/Bosniaken als 'Türken',um ihr Recht auf die Rache gegen 'Türken' ( sprich: Bosniaken, Moslime) in ganzen Bosnien-Herzegowina seit 28.06.1389 für immer auszuüben.
In Sarajevo, Hauptstadt der Republik Bosnien und Herzegowina, sind über zehntausend Bürger alle Nationalitäten durch
serbische Kanonen und Scharfschützen ums Leben gekommen. Unter ihnen 2.000 Kinder.
Und:Ist es möglich und moralisch Skender Kulenovic’s
Dichtung als serbische zu nennen? In keinem Fall!
Kulenović ist der Klassiker der bosnischen Literatur; ähnlich wie der Dichter Mak Dizdar, den sich die kroatische Literatur angeeignet hat.
Dzemaludin AlićZurück